Dynamisches aus dem Gurkengebiet
Der Ludwigsfelder HC rutscht nach der Heimniederlage gegen Lübbenau in der Oberliga weiter ab
Die TSG Lübbenau gewinnt deutlich mit 35:26 beim LHC – der Trainer des Ludwigsfelder Clubs bemängelt bei manch einem die Einstellung.
Der Herr auf der Tribüne gestikulierte, manchmal suchte ein Spieler einen kurzen Blickkontakt: Fast schien es, als handele es sich bei dem Mann zwischen den Zuschauern der Stadtsporthalle um den Coach des Ludwigsfelder HC, was auch kein Wunder war, schließlich war es LHC-Trainer Gerhard Wartenberg, der seine Sperre auf der Tribüne absaß. Oder besser gesagt: Der versuchte, bei der 26:35 (14:18)-Heimniederlage gegen die TSG Lübbenau seine Sperre (MAZ berichtete) abzusitzen, denn meistens stand Wartenberg, der an der Seitenlinie nicht unbedingt als Leisetreter gilt, neben der Traverse.
„Natürlich ist es auf der Trainerbank schöner, man hat ja so keine Möglichkeit der Einflussnahme“, sagte der Coach zu dem erzwungenen Perspektivwechsel.
Auch der Ludwigsfelder HC muss sich nach der Niederlage gegen den Überraschungstabellenführer aus dem Spreewald einem erzwungenen tabellarischen Betrachtungswechsel unterziehen: Der Club rutschte nach dem guten Start mit 5:7 Punkten auf Rang neun ab. „Wir haben leider die Chance verpasst, uns im oberen Drittel zu etablieren“, räumte Wartenberg ein und bemängelte: „Uns hat die Einstellung in der Deckung und der letzte Biss gefehlt. Manch ein Spieler muss sich hinterfragen, ob er in der Oberliga richtig fighten will. So können wir in dieser Spielklasse nicht bestehen. Manch einer ruht sich im Schatten der anderen zu sehr aus.“ Die TSG dagegen sei wie ein Tabellenführer aufgetreten und habe gezeigt, wie man mit Kampf und der richtigen Einstellung auswärts punkten könne.
Nach einer ausgeglichenen Startphase (5:5/11. Minute) setzte sich der Aufsteiger aus Lübbenau bis zur Halbzeit mit vier Treffern Vorsprung ab. Die TSG – eine dynamische, willensstarke Equipe aus dem Süden des Landes Brandenburg oder wie man auf der Tribüne sagte, „aus dem Gurkengebiet“. In der Schlussviertelstunde wurde der LHC dann sozusagen zum Gurkenhapppen, als der weiterhin verlustpunktfreie Rivale nach der 24:22-Führung (43.) die Partie am Ende deutlich gewann. „Bis zur 40. Minute war alles offen, aber dann haben wir uns aufgegeben“, monierte Wartenberg zu diesem Zeitpunkt, rund 15 Minuten vor dem Abpfiff.
Nach dem sechsten Sieg im sechsten Spiel war TSG-Trainer Sylvio Schelletter zufrieden mit seinem Ensemble: „Wir sind optimistisch hierher gefahren und waren uns unserer Leistungsstärke bewusst, da wir nach den letzten Spielen genug Selbstvertrauen gesammelt haben. So sind wir auch aufgetreten“, befand der Coach des Überraschungstabellenführers aus Lübbenau. Insgesamt sei es eine kompakte Mannschaftsleistung gewesen, wobei die TSG auf ihre ersten beiden Torhüter verzichten musste. Ersatzmann Lars Kasper machte seine Sache jedoch ordentlich, so wurde ihm auch vom Trainer eine „starke Leistung“ attestiert. Ludwigsfelde sei vor allem aus der zweiten Reihe zu harmlos gewesen, wobei Schelleter anmerkte, dass ein Steffen Knaack dem LHC sicherlich geholfen hätte. Der Ludwigsfelder Kreisläufer musste aber verletzt passen. Die Zielstellung des Tabellenführers bleibt auch nach dem perfekten Start die klassische Mission eines Aufsteigers: Die Bestandssicherung. „Wir haben momentan einen guten Lauf, doch erstmal zählt nur der Klassenerhalt. Im Winter werden wir sehen, in welche Richtung es noch gehen kann“, blieb Schelletter zurückhaltend.
Wartenberg wird noch einmal wegen der Sperre (Schiedsrichterbeleidigung) auf der Tribüne sitzen müssen, wenn seine Equipe spielt – ausgerechnet beim DHB-Drittrunden-Spiel zu Hause gegen den EHV Aue (am 26. Oktober) darf der Coach nicht an der angestammten Stelle an der Seitenlinie stehen. „Das Urteil ist eine Frechheit und die Sperre eine Farce“, schimpfte der Coach, „bei Spielern und Trainern werden sofort Sperren verhängt aber bei der Aufklärung der Vorfälle nach dem Spiel in Bad Doberan lässt man sich Zeit“. Der Hintergrund: Der HC hatte nach der Partie Protest eingelegt, weil nach Ansicht des Clubs ein Spieler des Bad Doberaner SV nach einer Zeitstrafe zu früh wieder das Spielfeld betreten hatte und nach der Partie außerdem das Spielprotokoll ohne Beisein der Mannschaftsverantwortlichen geändert worden sein soll. „Bisher gibt es noch keinerlei Infos.“
Niklas Poppe und Lars Sittig
Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, 17.10.2011

